Schweiz - Luzern

Luzern
Text: Joyce Frey
Reisezeit: November 2005

Schweiz - Luzern

 

 

Kapellbrücke

 
 

Es war kalt, als ich am frühen Morgen zum Bahnhof in Appenzell spazierte, um nach Luzern zu fahren. Die Wiesen waren weiss mit Raureif bedeckt. Die Fahrt ging durch eine herrliche Landschaft in goldenen Herbstfarben, an Gebirgen und

Seen vorbei. In den Häfen lagen Boote, die unter Planen parat lagen für ihr Winterschläfchen. Dagegen wirkten die Enten, Schwäne und anderen Seevögel sehr lebendig- als schienen sie die Ruhe auf dem Wasser zu geniessen.
Nach knapp drei Stunden Fahrzeit hatte ich Luzern erreicht.
Unter den Gleisen gibt es ein Einkaufzentrum und Ausgänge, die in verschiedene Richtungen führen. Ich wanderte zuerst zur Kappellbrücke, die das Wahrzeichen der Stadt ist. Sie liegt nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt.
Ein paar Meter weiter prunkt die barocke Jesuitenkirche. Im innern der Kapelle ist die Kutte des schweizer Landespatrons Bruder Klaus zu sehen.
Vor der Brücke steht der Wasserturm, der im 13. Jahrhundert gebaut worden war. Er diente früher als Aufbewahrungskammer für die Gemeinde, aber auch als Kerker und Folterkammer.
In dieser Zeit war Luzern noch ein kleines Fischerdörfchen. Als der Gotthardpass im 12. Jahrhundert eröffnet wurde, begann Luzern an Bedeutung zu gewinnen,

Bahnhof Luzern

weil der Transitverkehr hier vorbei kam. Ich stellte mir vor, wie die Pferde vorbei zogen, die eine schwere Last zu tragen hatten. Kurz darauf wurde die Kappellbrücke gebaut. Vieles ist geschehen von damals bis heute.
Unter der schrägen Decke sind dreieckige Gemälde angebracht, die über die vergangenen Zeiten berichten.
Aber es war so dunkel da oben, dass kaum etwas zu erkennen war.
Auf der anderen Seite der Brücke liegt die Altstadt.
Schmale Gassen mit kleinen Läden laden ein, sich darin aufzuhalten.
Viele Fassaden sind bemalt. Es lohnt sich hier „hochnäsig“ zu sein, denn die Verzierungen an den alten Gebäuden sind sehr sehenswert und stammen teils aus der Barockzeit. 
Nach dem Rundgang in der Altstadt machte ich mich auf den Weg

zum Löwendenkmal, der nicht weit entfernt im Gletschergarten liegt.

Totentanzmalerei unter der Brückedecke

In die Felswand hinter einem Weiher ist ein sterbender Löwe gehauen. Er soll daran erinnern, wie die treuen Schweizer

heldenhaft versucht haben, den französischen König Ludwig XV1 zu verteidigen. Aus Zeitmangel verzichtete ich auf einen Besuch im Museum und im Spiegelsaal, was ich später aber bereute, denn beides soll sehr sehenswert sein. Anschliessend wollte ich essen gehen.
Aber als ich vor dem Büffet stand, merkte ich, gar keinen Hunger zu haben.
Ich ging deshalb wieder nach draussen, um der 800 Meter langen Museggmauer entlang zu gehen.
Das war eine ziemliche Kletterpartie. Aber es war schön, die gut erhaltenen Mauern und neun Türme zu sehen.
Das Klettern und Wander hatte mich nun hungrig gemacht. Ich wollte schnell essen gehen, bevor es Mittagszeit war und die Arbeiter und Schüler kamen. Ich machte es mir in einen Restaurant gemütlich und wollte anschliessend die Sonne am See geniessen. Nach einem kurzen Spaziergang war ich

Museggmauer mit Turm

beim See angekommen.

Der Mauer entlang

Aber alle Bänke waren besetzt mit Schülern und Arbeitern, die ebenfalls die Sonne geniessen wollten, und ihr Mittagsbrot draussen assen. Ich musste weit den See entlang gehen um einen freien Platz zu finden.
Dort setzte ich mich hin und die Sonne schien mir mitten ins Gesicht. Ich musste die Augen etwas zusammenkneifen um die Welt noch zu erkennen. Auf dem See, wo im Sommer reger Schiffsverkehr herrscht, war es ruhig.
Am anderen Ende des Sees blickte ich auf die Bergen, von der Rigi bis zum Pilatus. Auf den Pilatus fahren die steilste Zahnradbahn der Welt, sowie auch eine Luftseilbahn.

Wo der Reuss zum See fliesst

Eine Weile träumte ich von der Bergwelt.

Aber die Unrast packte mich wieder. Ich musste weiter gehen. Da ich auf dem Rückweg an der Hofkirche vorbei kam, entschloss ich mich, die Treppen hinaufzugehen um diese zu besichtigen.
Zuerst betrachtete ich die Familiengräber die rund um die Kirche angelegt sind.
Kurz nach Allerseelen waren sie mit vielen Blumen geschmückt. Nach dem Rundgang ging ich in die Kirche hinein. Ich brauchte alle Kraft, die schweren alten aus gusseisernen Hebel der Türe zu bewegen auf der ein ins Holz geschnitzter Schweizer Gardist steht.
In der anderen Tür ist ein Bischof eingekerbt.
Für mich wirkte die Kirche wie alle anderen alten Kirchen. Pompös, goldig und übersät mit Malerein. Anschliessend machte ich nochmals einen Streifzug durch die Altstadt.

Ich betrachtete den Brunnen am Kornmarkt und das

Hofkirche mir der Rigi im hintergrund

Kornhaus, das hübsch bemalt ist. Es wurde 1370 gebaut und diente als Kauf- und Kornhaus. Später wurde es zum Rathaus umgebaut. Auch der Weinmarkt etwas weiter ist sehenswert.
In den Gassen gibt es Läden, die für jeden Geschmack und jedes Budget etwas anzubieten haben.
Ich ging über die Spreuerbrücke zurück zum Bahnhof.
Aber der Zug war schon weg. Ich ging also wieder nach draussen und betrachtete das Kultur- und Kongresshaus, das ebenfalls ein Kunstmuseum ist, und direkt neben dem Bahnhof liegt.
Ich genoss die letzten Sonnestrahlen auf einer Bank vor dem Gebäude an einem Weiher wo in einem Brunnen Wasser sprudelt. Später konnte ich in den Zug einsteigen um die Heimreise zu beginnen

Das Kultur und Kongresshaus

 


 
Joyce