Schweiz - Appenzellerland - Seealpsee

Seealpsee
Text: Joyce Frey
Reisezeit: Juni 2004

Schweiz - Appenzellerland

 

 

 

 
 
An einem herrlichen Morgen an meinem freien Tag erwachte ich und sah aus dem offenen Fenster und schnupperte die frische Luft. Da dachte ich nur eines: “Heute lasse ich alles liegen und stehen, ich gehe raus in die Natur". Ich nahm die Rucksack aus dem Schrank, packte einen Apfel und ein Flasche Wasser ein, und ein paar Utensilien die ich für unterwegs brauchte. Weil ich nicht die Absicht hatte, eine Bergtour zu unternehmen, zog ich Turnschuhe an, die besser waren zum Fahrrad fahren.
 
Als das nötigste erledigt war, holte ich mein Fahrrad aus dem Keller. Da es seit dem Herbst nicht mehr benutzt worden war, hatte es eine Schicht Staub drauf. Ich holte ein Tuch um den Staub abzuwischen. Dann legte ich den Rucksack ins Körbchen hintendrauf und trat in die Pedale.

Schon bald hatte ich die Hauptgasse erreicht, wo es in den frühen Morgenstunden noch ruhig war.
Am Nachmittag war kaum mehr daran zu denken, hier durch zu fahren, weil dann hunderte Touristen sich die Augen aussahen an den schönen Läden, Restaurants und bemalten Häusern mit ihren ungewöhnlichen Dächern. Sie liefen hin und her über die Strasse ohne auf die Fahrradfahrer zu achten. Für Autos war die Gasse schon vor mehreren Jahren gesperrt worden. Nach der Hauptgasse bog ich die Weissbadstrasse ein.


Appenzell - Hauptgasse


Unterwegs musste ich anhalten: Die Zugbarriere war geschlossen. Ich wartete, bis die Appenzellerbahn kam, die auch nach Wasserauen fuhr. Von dort ging es der Sitter entlang (ein Bach, der aus den Bergen kommt), die es im Frühling schwer hatte, nachdem die Schneeschmelze einsetzt und sie und dazu noch ein paar Regengüsse zu verdauen habe. Indessen war ich an Steinegg vorbei gekommen und erreichte Weissbad.
 


Appenzellerbahn

Beim Kurhotel ging es um die Kurve und ich fuhr Richtung Schwende. Die Strecke schien eben, aber stieg sanft aufwärts. Zum Glück hatte ich Rückenwind, so dass ich die Steigung nicht bemerkte. Das Schwendetal, eine herrlicher Gegend: Farbenfrohe Bauernhöfe stehen verstreut in den Hügeln. Die kleine Kirche von Schwende, die so romantisch in diese Gegend passte, hatte ich schon hinter mir. Immer noch ging es geradeaus.

Ich konnte Gleitschirmpiloten, die in der Luft schwebten beobachten. Das sind Leute, die es lustig finden, von einem Berg zu rennen, um dann an einem Tuch in der Luft zu schweben, solange es geht. Doch nicht jeder erreicht ohne Probleme den Boden. Manchmal passiert es, das Einer vom Wind abgetrieben wird und schliesslich in Äste eines Baumes hangen bleibt. In extremen Situationen müssen sie sogar von der Feuerwehr, oder mit einem Helikopter daraus befreit werden.


An diesem klaren Tag schien alles so nahe zu sein, dass man glauben konnte, die Berge und Segler wäre so nahe, dass man sie anfassen könnte. Wasserauen lag vor mir: Der Luftseilbahn kam gerade nach unten. Einen Moment dachte ich daran, mit der Bahn nach oben zu fahren, um dann von der Ebenalp ins Tal zu wandern.
 

Doch dann dachte ich an meine Schuhe: sie waren nicht stabil genug. Ich bin keine Flachländerin, die keine Ahnung von Bergen hat und mit Sandaletten, oder sogar mit hohen Absätzen, in den Bergen laufen wollte. Solche Menschen mussten gelegentlich per Helikopter gerettet werden, weil sie stürzten, und sich die Knochen brachen. Andere stürzten so unglücklich, dass sie in die Tiefe fallen. Für diese braucht es schon keine Eile mehr für die Rettung, weil sie nicht mehr zu retten sind.

Nein, mit Turnschuhen gehe ich nicht in den Berge! Also fuhr ich weiter bis zum Gasthaus Alpenrose, wo ich mein Fahrrad abstellte und abschloss. Mit dem Fahrrad hatte ich eine Steigung von rund neunzig Metern überwunden, die ich dank Rückenwind kaum bemerkt hatte.


Ebenalpbahn bei Wasserauen


Ich nahm meinen Rucksack und ging zu Fuss weiter. Am Anfang ging es noch ebenaus. Doch dann merkte ich, dass es langsam steiler wurde.
 


Station Wasserauen    

Der Schwendebach, der bei Weissbad in die Sitter mundet, floss gemächlich neben mir. Er führtenicht viel Wasser. Ich blickte zu den Bergen hinauf, die auf alle Seiten zu sehen sind. Kein anderer Mensch war sonst noch unterwegs. Ich bekam das Gefühl, alleine in ein Paradies zu sein.

Aber Tiere waren da. Vögel flogen von Baum zum Baum und sangen ein fröhliches Lied. Auf der andere Seite des Baches lagen Kühe im Gras, die kleine Glöcklein trugen die bei jeder Bewegung, einen Laut von sich gaben. Gelegentlich konnte ich das Summen von Bienen hören. Zusammen klangen diese Töne für mich in dem Moment besser als ein Symphonie von Beethoven, die "Bohamien Rhapsody" von Queen, oder ein Lied aus meinen Kinderjahren: “Schön ist es auf der Welt zu sein“. Ich blieb einen Moment stehen, um diese Eindrücken aufzunehmen. Dann ging ich weiter. Nun stieg der Weg langsam an.

Es ist eine Strecke ohne Bäume die Schatten spenden. Inzwischen war es schon ziemlich heiss geworden. Wenn ich mit anderen Menschen hier wäre, würde ich gelegentlich stehen bleiben um mir die Landschaft anzusehen. Doch nun blieb ich einfach stehen, um wieder zu Atem zu kommen. Ein älteres Pärchen kam mir von oben entgegen. Sie grüßten freundlich, und ich erwiderte den Gruss. Bald würde ich aus der heisse Sonne kommen. Ich konnte die Bank, welche unter Bäumen stand, schon sehen.
 
Ich wusste dass die kurze Steigung hier beendet war und dass das Ziel als Belohnung für diese Tortur sehr nahe lag. Dort angekommen, setzte ich mich auf die Bank in den Schatten, wo die Hitze schon bald aus mein Körper entwich. Während ich mir die Gegend ansah, konnte ich beobachten, wie ein Mann mit einem Hund auf einem schmalen Weg nach unten kam. Bei mir angekommen, setzte er sich zu mir auf der Bank. Der Hund rannte zum Bach, um seinen Durst zu löschen. Der Mann erzählte mir, dass er von der Ebenalp gekommen war. Noch einen Moment redeten wir miteinander. Dann ging jeder seine eigenen Wege. Er hinunter nach Wasserauen und ich weiter zum Seealpsee.


Wanderung auf einem kurzen schmalen Weg

 


Seealpsee

 

Diese Wanderung hatte nur einen Anstieg von etwa hundertfünfzig Metern. Zuerst musste ich aber noch über einen sehr schmalen Pfad gehen. Kurz darauf konnte ich den See sehen, und dahinter die Berge des Alpsteingebietes, die wie Riesen wirkten. Als ich näher gekommen war, blieb ich stehen um den atemberaubenden Blick auf mich einwirken zu lassen. Das Wasser des Sees waar königsblau. Die Berge spiegelten sich darin, als wollte jeder von ihnen der Schönste sein. Für mich waren sie alle zusammen ein wunderschönes Gesamtbild.
 


Milch Produzenten auf dem Ebenalpweide

Als ich noch näher kam konnte einigen Enten sehen, die sich hier wohl zu fühlen schienen. Ich dachte: “Was die können, kann ich auch“. Ich setzte mich ans Ufer und zog die Schuhe aus. Dann liess ich die Füsse ins Wasser gleiten. Doch lange hielt ich es nicht aus, denn das Wasser was eiskalt. In der Ferne schwamm eine menge Fische, die sich dem Ufer näherten. Ich konnte sie als Forellen identifizieren, die, wenn sie gross waren, dampfend auf den Teller kamen.

Ich zog die Schuhe wieder an und wanderte um den See. Wieder zurück gekommen, dachte ich zu erst daran, auf der Terrasse des Berggasthauses “Forelle“ etwas Kleines zu essen, denn indessen es war schon Mittag geworden. Aber der Hunger war noch nicht gross genug. Ich ging wieder zum See und setzte mich ans Ufer, wo ich einen Apfel ass und Wasser trank.

Indessen waren auch andere Wanderer unterwegs, sogar zwei japanische Mädchen hatten sich die Zeit genommen, hierhin zu wandern. Als ich mich ausgeruht fühlte, machte ich mich auf den Rückweg. Nun nahm ich die andere Route.

Der Weg ging auf der andere Seite des Baches über die Alp Grosshütten. Hier blieb ich noch lange in der Höhe. Unterwegs passierte ich ein paar Alphütten, wo Kühe auf dem felsigen Bodenlagen, und ihr Mittagsschläfchen hielten. Vor einer der Hütten hing einhandgeschriebenes Plakat, dass hier Alpenkäse verkauft würde. Mir lief das Wasser im Munde zusammen. Ich ging hin, um ein Stück zu kaufen. Aber kein Mensch war weit und breit zu sehen. Nur ein paar Kühe sahen mich faul an.
 

Also ging ich ohne Käse weiter und blieb gelegentlich stehen, um mir die Bergen und einen Teil des Sees nochmals anzusehen. Dieser Weg war kürzer als der Hinweg, doch ich war immer noch in der Höhe. Dann erreichte ich den Teil, wo der Abstieg anfangt. Der führt über stufen, durch eine Schlucht, wo aus der Wand Wasser sickert und wo die Vegetation üppig wachst.

Schliesslich war ich wieder dort angekommen, wo ich gestartet war und konnte gerade noch sehen, wie ein Deltasegler landete.  Dann begab ich mich dorthin, wo mein Fahrrad auf mich wartete.


Ebenalp

 


Eis kaufen beim Kiosk vor der Luftseilbahn

Ich fuhr ein Stück weit. Beim Kiosk vor der Luftseilbahn, kaufte ich mir ein Eis und ass es gemütlich auf einer Bank neben den Schwendebach und genoss die verdiente Belohnung.

Dann fuhr ich wieder zurück Richtung Appenzell und dachte: "Mein Rad wird von selber fahren, weil der Weg langsam hinuntergeht“. Aber das war ein Irrtum.

Der Wind, der nun gegen mich blies, hinderte mich daran es mir gemächlich zu machen. Ich musste also trotzdem die Pedalen treten.
 

 


 
Joyce